
Dr. med. Dirk Becker
Leitender Arzt, Neurologie

Schwindel kann sehr verunsichern. In der Neurologie des Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhauses finden wir schnell heraus, was dahintersteckt und welche Behandlung in Ihrer Situation wirklich sinnvoll ist.
Schwindel ist ein Symptom, das Betroffenen buchstäblich die Bodenhaftung nimmt. Für manche dreht sich plötzlich alles, andere fühlen sich „wie auf einem schwankenden Boot“ oder erleben eine diffuse Benommenheit.
Die Ursache von Schwindel liegt im Gleichgewichtssystem und das ist hochkomplex: Das Gehirn erhält seine Signale aus mehreren Quellen und verarbeitet sie im Hirnstamm. Dazu gehören Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr, den Augen und der Tiefensensibilität – also den Bewegungsmeldern in Muskeln, Gelenken und Haut. Kann das Gehirn diese Signale nicht mehr richtig verarbeiten, sendet der Körper ein Warnsignal: Schwindel.
Unser Ziel in der Neurologie des Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhauses ist es, die genaue Form und die Ursache zu erkennen und zielgerichtet zu behandeln.
Was viele nicht wissen: Schwindel ist ein Warnsignal des Körpers – aber in den meisten Fällen gut erklärbar. Wenn wir verstehen, woher die Beschwerden kommen, können wir sehr gezielt behandeln und den Betroffenen viel Unsicherheit nehmen.
Dr. med. Dirk Becker, Leitender Arzt Neurologie, Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus Hamburg
Schwindel kann kurz auftreten oder anhaltend auftreten. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein. Häufig berichten Betroffene über:
Treten Schwindel, Sprachstörungen, Lähmungen oder Sehstörungen gemeinsam auf, ist das ein Notfall. Rufen Sie sofort 112.
Schwindel ist ein Symptom vieler möglicher Störungen. Dazu gehören Erkrankungen im Innenohr, Veränderungen des Blutdrucks, neurologische Ursachen, psychische Belastungen oder selten Tumoren. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Schwindel. Gründe sind eine schwächere Muskulatur sowie die Alterung von Sinnesorganen und der Tiefensensibilität. Eine gezielte Abklärung hilft herauszufinden, welche Faktoren bei Ihnen vorliegen und welche Therapieschritte sinnvoll sind.
Der für die Betroffenen oft als sehr unangenehm spürbare Schwindel kann viele mögliche Ursachen haben. In der Neurologie spricht man daher vom Schwindel-Syndrom, oft mit zusätzlichen Symptomen vergesellschaftet – manchmal liegt der Auslöser im Innenohr, manchmal im Kreislauf oder im Nervensystem. Entscheidend ist, jedes Detail genau anzuschauen. Damit ist vor allem die Krankengeschichte (Anamnese) und die klinisch-neurologische Untersuchung gemeint. Erst die präzise Differenzierung dieser Informationen kann eine wirksame Therapie möglich machen.
Dr. med. Ingmar Wellach, Leitender Arzt Neurologie, Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus Hamburg
Beim gutartigen Lagerungsschwindel (benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, BPPV) geraten kleine Ohrsteinchen in die Bogengänge und irritieren die Sinneszellen. Es entstehen kurze, heftige Drehgefühle, typischerweise beim Hinlegen, Drehen im Bett oder schnellen Kopfbewegungen. Diese Form ist sehr häufig, kann wiederholt auftreten, ist aber gut behandelbar.
Eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs – medizinisch Neuritis vestibularis – führt zu anhaltendem, heftigem Drehschwindel mit Übelkeit, oft über Tage. Typisch ist außerdem eine deutliche Gangunsicherheit, weil das Gehirn die gestörten Signale nicht mehr richtig ausgleichen kann. Ursache können zum Beispiel Herpesviren sein.
Wird das Gehirn kurzfristig schlechter durchblutet, kann es zu Schwindel, Benommenheit oder plötzlich auftretender Unsicherheit kommen. Auch eine unregelmäßige Herzleistung oder stark schwankende Blutzuckerwerte führen dazu, dass das Gehirn widersprüchliche Signale erhält und mit Schwindel reagiert.
Beim so genannten Morbus Menière staut sich aus unbekannter Ursache Flüssigkeit im Innenohr (Endolymphhydrops). In der Gehörschnecke entsteht Überdruck. Dadurch können feine Membranen einreißen, die die verschiedenen Räume des Innenohrs voneinander abtrennen. Die Flüssigkeiten im Innenohr verlagern sich, so dass das Gehirn Falschmeldungen erhält.
Typisch für Morbus Menière sind diese drei Merkmale:
Bei der vestibulären Migräne geraten die Reizverarbeitung und die Gleichgewichtssteuerung im Gehirn vorübergehend durcheinander. Betroffene erleben plötzliches Drehen, Schwanken oder eine Art „Benommenheitsschwindel“, der Minuten bis Stunden anhalten kann. Weitere typische Begleitsymptome sind Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit oder ein Druck im Kopf. Teilweise kann auch der klassische Migränekopfschmerz fehlen.
Schwindel kann auch Ausdruck von Belastung, Angst oder Krisen sein. Betroffene schwindelt es oft in Menschenmengen, auf Brücken oder in geschlossenen Räumen. Ein Teufelskreis kann entstehen, der die Symptome verstärkt.
Typisch ist die Diskrepanz zwischen dem eigenen Erleben und der Realität: Obwohl Betroffenen ständig schwindelig ist und sie Angst haben zu fallen, absolvieren sie Gleichgewichtstests ohne Fehler. Kein Wunder, schließlich funktionieren die Gleichgewichtsorgane.
Auch Medikamente, Alkohol, selten Tumoren oder neurologische Erkrankungen können Schwindel auslösen. Nur selten ist Schwindel ein Hinweis auf lebensbedrohliche Erkrankungen wie eine Thrombose in Blutgefäßen des Gehirns.
Schwindel kann mehr als hundert Ursachen haben. Deshalb setzen wir im Amalie auf eine strukturierte, gründliche Abklärung:
Bei Verdacht auf einen Morbus Menière oder Gleichgewichtsnervenentzündung ziehen wir passende fachärztliche Kolleginnen und Kollegen hinzu. Unser Ziel ist, Unsicherheit durch klare Diagnosen zu ersetzen.
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Wir setzen Medikamente, physikalischen oder psychotherapeutischen Verfahren ein und manchmal behandeln wir auch operativ. Je früher wir damit beginnen, desto besser lassen sich Beschwerden lindern und chronischen Verläufen vorbeugen. Wir möchten erreichen, dass Sie wieder sicher durch den Alltag gehen – mit möglichst wenig Einschränkungen.
Der Dreh- oder Lagerungsschwindel ist einfach zu beheben. Mit gezielten Bewegungsmanövern lassen sich die verrutschten Kristalle in den Gehörgängen innerhalb weniger Minuten in die richtige Position zurückbringen. Bei zwei Dritteln der Betroffenen reicht ein einziger Versuch.
Häufig sind Herpesviren die Auslöser. Durch die Entzündung schwillt der Nerv an und kann die aus dem Sinnesorgan empfangenen Informationen nicht mehr oder nur noch unvollständig weiterleiten. Medikamente wie Kortison lindern die Entzündung. Begleitend helfen Antivirenmittel und frühzeitiges Gleichgewichtstraining.
Oft heilt die Menière-Krankheit innerhalb von fünf Jahren spontan ab. Solange erhalten Patientinnen und Patienten Medikamente, welche die Übelkeit lindern oder den Druck im Ohr senken. Treten trotz Behandlung erneut Anfälle auf, kann die Ärztin oder der Arzt ihnen das Antibiotikum Gentamicin ins Mittelohr spritzen. Es betäubt das gestörte Gleichgewichtsorgan dauerhaft. Andere Möglichkeiten sind operative Eingriffe oder eine so genannte Labyrinth-Anästhesie, bei der das Gleichgewichtsorgan durch Betäubungsmittel ruhig gestellt wird.
In der Therapie geht es in erster Linie darum, bestimmte Belastungen zu vermeiden oder Belastungserscheinungen zu lindern.
Betroffenen helfen zum Beispiel:
Mittels Verhaltenstherapie lernen sie, Aufgaben abzulehnen. Bei sehr heftigen Attacken mit Übelkeit oder Erbrechen können schwindeldämpfende Medikamente helfen. Bei häufigen Attacken macht eine Migräneprophylaxe Sinn. Bekannte Auslöser wie Alkohol sollten vermieden werden.
Die Behandlung konzentriert sich auf den Auslöser des psychogenen Schwindels. Bei manchen Patientinnen und Patienten reicht es schon, wenn der Arzt körperliche Ursachen ausschließt. Betroffene mit psychiatrischen Störungen, Angsterkrankungen und Phobien brauchen häufig eine Psychotherapie. Ergänzend kann ein Gleichgewichtstraining helfen. Es stärkt das Gefühl, auch mit wackligen Untergründen und Situationen fertig zu werden.
Nach akuter Therapie begleiten wir Sie durch ein strukturiertes Nachsorge-Programm.
Dazu gehören:
Bei chronischen oder funktionellen Beschwerden helfen Aufklärung, Gleichgewichtstraining, Physiotherapie oder verhaltenstherapeutische Ansätze.
Begleitend können Betroffene selbst viel tun, indem sie sich zum Beispiel in Bewegung halten. Aktivität reizt das Gleichgewichtsorgan und hält es in Schwung. Je mehr sich die Patientinnen und Patienten hingegen schonen, desto größer wird ihre Unsicherheit.
Auch gute Selbstfürsorge kann Schwindel vorbeugen:
Kleine Änderungen im Alltag bewirken oft viel.
Die Neurologie des Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhauses wird geleitet von Dr. med. Dirk Becker und Dr. med. Ingmar Wellach. Das Team hat große Erfahrungen in der Diagnostik und Therapie von Schwindelsyndromen. Für eine bestmögliche Behandlung arbeiten wir eng mit der Inneren Medizin, der Abteilung für HNO, Physiotherapie und der Notaufnahme zusammen, damit Sie schnell die passende Behandlung bekommen.

Leitender Arzt, Neurologie
Dr. med. Dirk Becker leitet die Neurologie am Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus. Er ist spezialisiert auf Bewegungsstörungen, akute neurologische Erkrankungen und die Diagnostik komplexer Schwindelformen. Sein Fokus liegt darauf, Menschen mit Schwindelzuständen Ihre Sicherheit und Stabilität zurückzugeben.
Schwindel verunsichert – aber in den allermeisten Fällen finden wir eine gut behandelbare Ursache. Entscheidend ist, nicht abzuwarten. Eine frühe Abklärung nimmt die Angst und schafft die Basis für eine wirksame Therapie.
Dr. med. Dirk Becker, Leitender Arzt Neurologie, Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus Hamburg

Leitender Arzt, Neurologie
Dr. med. Ingmar Wellach ist ebenfalls Leitender Arzt der Neurologie am Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von Schwindelsyndromen, Bewegungsstörungen und akuten neurologischen Erkrankungen. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der differenzierten Ursachenabklärung von Gleichgewichtsstörungen.
Für viele Betroffene fühlt sich Schwindel an, als verliere der Körper die Orientierung, oder als würde ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Dies passiert, wenn die an der Raumorientierung beteiligten Systeme im Körper durch eine Erkrankung beeinträchtigt werden. Wenn wir die Ursache finden und darüber erklären können, warum der Schwindel entstanden ist, dann sind die Voraussetzungen gegeben, dass sich die Symptome bessern. Patientinnen und Patienten können ein Stück Sicherheit zurück gewinnen.
Dr. med. Ingmar Wellach, Leitender Arzt Neurologie, Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus Hamburg
Wir beraten Sie gern umfassend, wenn Sie unter Schwindel leiden. Bitte vereinbaren Sie Ihren Termin telefonisch oder per E-Mail über das Sekretariat der Klinik für Neurologie.
In akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an die interdisziplinäre Zentrale Notaufnahme (ZNA). Diese ist rund um die Uhr geöffnet.
Bei lebensbedrohlichen Situationen wählen Sie bitte den Notruf 112.
Nicht immer. Häufig steckt eine gut behandelbare Ursache dahinter. Bei Warnzeichen wie Lähmungen und Sprachstörungen jedoch sollten Sie sofort ärztliche Hilfe suchen.
Wir prüfen Gleichgewicht, Augenbewegungen, Nervenfunktion, Blutdruck und Gefäße. Bei Bedarf folgen Ultraschall, MRT/CT und spezielle Lagerungstests. So können wir Ursache und Schweregrad des Schwindels genau einordnen und eine passende Therapie planen.
Das hängt von der Ursache ab: Lagerungsmanöver, Medikamente, Training, Verhaltenstherapie. Ziel ist immer, Sicherheit und Selbstvertrauen zurückzugewinnen.
Viel trinken, regelmäßig bewegen, Stress reduzieren und eine gute Schlafhygiene pflegen. Übungen für Balance und Muskelkraft helfen ebenfalls. Wer seine Auslöser wie schnelle Kopfbewegungen, Lichtreize oder Flüssigkeitsmangel kennt kann aktiv gegensteuern.
Ja – Stress und Angst können das Gleichgewichtssystem beeinflussen und Schwindel verstärken.
Schwindel kommt im höheren Lebensalter häufiger vor, ist aber nicht einfach „normal“. Oft stecken gut behandelbare Ursachen dahinter – von Kreislaufveränderungen bis zu Problemen im Innenohr. Eine medizinische Abklärung lohnt sich in jedem Fall, damit Betroffene sicher mobil bleiben.
Das hängt von der Ursache ab. Manche Formen bessern sich sofort, andere benötigen Tage oder Wochen.
Nicht immer. Bei einigen Formen reichen Lagerungsmanöver oder Training, andere erfordern medikamentöse Unterstützung.