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„Viele Schulteroperationen können minimalinvasiv durchgeführt werden“
Wie ein künstliches Schultergelenk konkret helfen kann und ob Schulterprobleme allgemein zunehmen, erklärt Dr. med. Olaf Pingen, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie - Wirbelsäulenchirurgie im Hamburger Amalie Sieveking Krankenhaus.
Herr Dr. Pingen, mit welchen Schulterproblemen kommen Betroffene zu Ihnen in die Klinik?
Wir sehen natürlich die schwereren Fälle, bei denen oftmals auch zu einer Operation geraten werden muss. Das betrifft insbesondere die fortgeschrittene Arthrose des Schultergelenks, die sogenannte Omarthrose. Aber auch Frakturen des Schultergelenkes oder des Oberarmkopfes werden bei uns häufiger behandelt – im jüngeren Lebensalter häufig durch Sportverletzungen oder Unfälle verursacht. Hinzu kommen die sogenannte Rotatorenmanschettenläsion, also der Abriss von Sehnen vom Muskel, Knorpelschäden im Gelenk, das Impingement-Syndrom und noch so einiges mehr.
Wie lautet Ihre Therapieempfehlung bei fortgeschrittener Arthrose des Schultergelenkes?
Das hängt sehr davon ab, was die Betroffenen wünschen: Wenn ein Patient sehr unter Schmerzen und der damit verbundenen eingeschränkten Bewegungsfreiheit leidet, also einen deutlichen Verlust an Lebensqualität beklagt, geht die Empfehlung schon in die Richtung eines künstlichen Gelenkersatzes. Vorausgesetzt – und das ist mir wichtig – es wurden zuvor alle nicht-operativen Mittel ausgeschöpft, um das Leiden zumindest zu lindern. Hierbei spielen Bewegung und die physiotherapeutische Behandlung eine sehr wichtige Rolle.
Und mit dem neuen Gelenk ist dann wieder alles gut?
Zumindest ist es für die Patientinnen und Patienten in aller Regel danach deutlich besser: Sie sind weitgehend schmerzfrei und erhalten ein großes Maß ihrer früheren Bewegungsfreiheit zurück. Das setzt natürlich ein gewisses Training voraus, das noch bei uns im Amalie beginnt und in der Reha fortgesetzt wird, aber dieser Einsatz lohnt sich! Das gilt übrigens auch für Betroffene im hohen Lebensalter.
Kleine Schnitte schonen das umgebende Gewebe und ermöglichen auch eine schnellere Wundheilung.
Dr. med. Olaf Pingen, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie - Wirbelsäulenchirurgie im Amalie Sieveking Krankenhaus
Wenn von einer OP die Rede ist, schrecken viele Menschen zusammen…
Das kann ich sogar nachempfinden. Abgesehen vom Gelenkersatz können aber heutzutage viele Operationen im Bereich der Schulterm minimalinvasiv durchgeführt werden in Form der sogenannten Arthroskopie. Bei dieser Schlüssellochtechnik wird nur ein kleines Instrument mit Licht und Optik eingesetzt; kleine Schnitte schonen das umgebende Gewebe und ermöglichen auch eine schnellere Wundheilung. Auf diese Art und Weise werden bei uns sehr erfolgreich etwa Verletzungen der Rotatorenmanschette, Sehnenrisse, die sogenannte Frozenschoulder oder auch Knorpelschäden im Schultergelenk behandelt.
Nehmen die Schulterprobleme zu?
Nach meiner Wahrnehmung: ja. Die Gründe liegen zum einen sicherlich in der demographischen Entwicklung und daran, dass wir immer älter werden. Ich denke aber auch, dass wir uns generell mehr bewegen müssen, denn normales Gewicht und eine trainierte Muskulatur entlasten nicht allein die Schultergelenke.