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Herr Professor von Dobschütz, welche Funktion übernimmt die Schilddrüse in unserem Körper?

Die Schilddrüse ist verantwortlich für die Hormonproduktion, mit deren Hilfe insbesondere Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum oder Psyche gesteuert werden. Deshalb können sich Erkrankungen an der Schilddrüse auch sehr vielfältig äußern. 

Wie häufig kommen denn Schilddrüsenerkrankungen vor und wie machen sich diese bemerkbar?

Schätzungen zufolge sind krankhafte Erkrankungen an der Schilddrüse deutschlandweit bei jedem Dritten nachweisbar. Das Risiko einer Schilddrüsenerkrankung nimmt dabei mit höherem Lebensalter zu. Häufig kommt es zu einer Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse, wenn zu wenig oder zu viele Hormone produziert werden. Typische Symptome einer Unterfunktion sind beispielsweise Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme oder depressive Verstimmungen.

Im Falle der Überproduktion treten häufig Schlaf- und Konzentrationsstörungen, ein erhöhter Blutdruck, Herzrasen oder Gewichtsverlust auf. Ursachen für eine Unterproduktion ist häufig eine chronische Entzündung der Schilddrüse, die Hashimoto-Thyreoiditis, bei der Überproduktion der Morbus Basedow - beides sind Autoimmunerkrankungen. Mit jährlich mehr als 6.000 Neuerkrankungen ist der Schilddrüsenkrebs eine eher seltene Erkrankung. Symptome können schnell wachsende und harte Knoten sein, aber auch Schluckbeschwerden, Druckgefühl im Halsbereich, Heiserkeit oder Hustenreiz.

Wie werden Schilddrüsenerkrankungen behandelt und wann ist eine Operation unumgänglich?

Bei Erkrankungen der Schilddrüse gibt es mehrere Behandlungsoptionen: Zum einen die Medikamentengabe, aber auch die Radiojodtherapie und in manchen Fällen auch die Thermoablation, also die lokale Anwendung von Hitze in einem Knoten. Die Operation ist unbedingt notwendig bei Schilddrüsenkrebs oder auch krebsverdächtigen Schilddrüsenknoten. Bei gutartigen Erkrankungen sollte dann über eine OP nachgedacht werden, wenn der Leidensdruck der Betroffenen sehr hoch ist.

In einem spezialisierten Zentrum wie dem der Amalie ist das Risiko einer Schilddrüsenoperation sehr gering.

Prof. Dr. Ernst von Dobschütz, F.E.B.S. (endocrine surgery), Chefarzt Zentrum für Endokrine Chirurgie im Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus

So kann etwa eine vergrößerte Schilddrüse zu Atem- oder Schluckbeschwerden durch eine verengte Luft- bzw. Speiseröhre führen. Generell geht es bei der OP darum, das kranke Gewebe zu entfernen. Auch bei bestimmten Formen der Schilddrüsenüberfunktion ist in speziellen Fällen die Operation sinnvoll, um einen längeren Leidensweg zu verhindern. Der Vorteil der OP liegt in der sofortigen positiven Wirkung des Eingriffs. Wichtig ist auch, dass die pathologische Untersuchung des entfernten Gewebes eine absolut sichere Aussage über Gut- oder Bösartigkeit ermöglicht.  

Wie groß ist das Risiko eines Eingriffs und wie ist das kosmetische Ergebnis?

In einem spezialisierten Zentrum wie dem der Amalie ist das Risiko einer Schilddrüsenoperation sehr gering. Die geringe Gefahr einer Stimmbandschädigung oder Verletzung der Nebenschilddrüsen minimieren unsere hochspezialisierten Chirurginnen und Chirurgen zusätzlich durch moderne Methoden wie den Einsatz des Neuromonitorings während der OP, das den Stimmbandnerv mit feinen Elektroden überwacht und mikrochirurgische Operationstechniken.

Durch einen ästhetisch- chirurgischen Wundverschluss kann ein gutes kosmetisches Ergebnis erreicht werden. Nach Verheilen der Narbe ist der Eingriff nach kürzerer Zeit kaum mehr sichtbar.